10 Jahre Verein „Hospiz am Saalebogen“

Ein Interview mit Hausleiter Matthias Lander

Vor 10 Jahren gründeten 17 engagierte Menschen rund um Matthias Lander den Verein „Hospiz am Saalebogen“. Inzwischen bietet die Einrichtung in der Saalfelder Kleiststraße schwerkranken Menschen einen Ort, an dem sie ihre letzte Lebensphase in Würde und Geborgenheit verbringen können. Im Interview spricht der Hausleiter unter anderem über den Weg dorthin und seinen persönlichen Umgang mit dem Thema Tod.

marcus®: Wie kam es dazu, dass Sie in Saalfeld ein Hospiz aufbauen wollten?

Matthias Lander: Alles begann mit einer sehr persönlichen Erfahrung. Im Jahr 2008 begleiteten meine Frau Kerstin und ich eine junge Frau im Krankenhaus auf ihrem letzten Weg. Die Wertschätzung, die wir damals von den Pflegekräften erfuhren – sinngemäß sagten sie: „So müssten alle Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet werden.“ – hat in uns die Idee eines stationären Hospizes wachsen lassen.

Der Weg bis zur Realisierung war allerdings lang. 2015 gründeten wir den Verein, 2016 starteten wir mit einem ambulanten Hospizdienst, und 2021 konnten wir endlich unsere stationäre Einrichtung eröffnen. Heute verfügt unser Hospiz über zehn Zimmer – jeweils für einen Gast – sowie einen Raum für Angehörige. Durch große Fenster und den Blick ins Grüne entsteht eine besondere Verbindung zur Natur, die den Gästen Ruhe und Geborgenheit schenken soll.

Was unterscheidet Ihr Hospiz von einem Krankenhaus?

Die Individualität. Unsere Gäste sollen hier so leben können, wie sie es von zu Hause gewohnt sind. Sie können selbst entscheiden, ob sie ihr Essen im Zimmer, gemeinsam mit anderen oder – bei gutem Wetter – draußen einnehmen möchten. Auch die Atmosphäre ist eine andere als in einer Klinik. Zudem gibt es regelmäßig musikalische Veranstaltungen oder andere besondere Angebote. All das soll zeigen: Hier wird gelebt, gelacht, geliebt – bis zuletzt.

Wie gehen Sie persönlich mit dem Thema Tod um?

Natürlich ist jeder Tod ein Verlust – besonders, wenn man die verstorbene Person persönlich gekannt hat. Aber der Umgang mit dem Tod ist auch eine weltanschauliche Frage: Glaube ich an etwas? Habe ich eine Hoffnung und ein Verständnis von Leben und Tod, das mich trägt?

In unserem Team ist der Zusammenhalt sehr groß. Wir unterstützen uns gegenseitig, reflektieren in regelmäßigen Beratungen unsere Arbeit, achten sehr bewusst auf Selbstfürsorge und lernen, unsere Kraftquellen zu nutzen.

Was liegt Ihnen noch auf dem Herzen?

Seid dankbar, lebt bewusst und genießt das Leben – bis zum Ende. Das klingt einfach, ist aber eine tiefgreifende Haltung. Und zum Schluss möchte ich mich von Herzen bei allen Unterstützern bedanken – bei allen Spendern, egal ob sie große oder kleine Beträge spenden. Ein großes Dankeschön geht auch an die WOBAG, unsere Vermieterin. Ohne dieses Netzwerk von Partnern, wäre vieles nicht möglich.